Lehrstuhl für Immunologie & Pathophysiologie

Das CAM Lab der Medizinischen Universität Graz wurde im Jahr 2014 gegründet und hat sich seither als Forschungsplattform für präklinische biomedizinische Studien etabliert. Im Zentrum steht die Nutzung der Chorioallantois-Membran (CAM) des bebrüteten Hühnereis als vielseitiges Modellsystem zur Untersuchung komplexer biologischer Prozesse unter physiologisch relevanten Bedingungen.

Die hohe Vaskularisierung und die einfache experimentelle Zugänglichkeit der CAM ermöglichen die Untersuchung von Tumorwachstum, Angiogenese, Gewebeintegration und therapeutischen Interventionen in einem lebenden biologischen System. Als Brücke zwischen Zellkultur und Tiermodell stellt das CAM-Modell ein wertvolles Werkzeug für die translationale Forschung dar.

Ansprechpartnerin

Univ.-Ass.in Priv.-Doz.in Mag.a Dr.in
Nassim Ghaffari Tabrizi-Wizsy  
T: +43 316 385 71174

Forschungseinheit CAM Lab – Vor der Maus das Ei

CAM Lab - Agnieszka/adobestock.com

Wissenschaftliche Exzellenz im Sinne der 3R-Prinzipien

Das CAM-Modell ist eine wissenschaftlich anerkannte Alternative zu Tierversuchen und entspricht den Prinzipien der 3Rs (Replacement, Reduction und Refinement). Es ermöglicht aussagekräftige präklinische Untersuchungen und trägt gleichzeitig zur Reduktion des Einsatzes von Versuchstieren bei.

Da der Hühnerembryo in frühen Entwicklungsstadien noch kein vollständig ausgebildetes Immunsystem besitzt, können humane Tumorzellen sowie patient*innenabgeleitete Gewebeproben erfolgreich transplantiert und untersucht werden. Dies eröffnet vielfältige Möglichkeiten für translationale Forschungsansätze und die Entwicklung personalisierter Therapiestrategien.

CAM Lab

Tumorforschung unter physiologischen Bedingungen

Die Krebsforschung bildet einen zentralen Schwerpunkt des CAM Labs. Das Modell ermöglicht die Untersuchung biologischer Prozesse, die in klassischen Zellkultursystemen nur eingeschränkt abgebildet werden können.

Zu den Forschungsgebieten zählen:

  • Tumorwachstum und Tumorprogression
  • Angiogenese und vaskuläres Remodeling
  • Tumorinvasion und Metastasierung
  • Tumor-Mikroumgebung und Interaktionen mit der extrazellulären Matrix
  • Präklinische Evaluierung neuer Therapieansätze

Durch die Etablierung vaskularisierter Tumormodelle können Erkenntnisse aus Zellkulturexperimenten effizient in biologisch relevante In-vivo-Systeme übertragen werden.

CAM Lab

Neue Anwendungsfelder: Biomaterialien und Implantatforschung

Neben der Onkologie wird das Potenzial des CAM-Modells zunehmend für Fragestellungen der Biomaterial- und Implantatforschung erschlossen. Derzeit werden entsprechende Methoden und Anwendungen im CAM Lab etabliert und weiterentwickelt.

Mögliche Anwendungsbereiche umfassen:

  • Biokompatibilität neuer Biomaterialien
  • Gewebeintegration von Implantaten
  • Gefäßbildung an Biomaterialien
  • Lokale Gewebe- und Entzündungsreaktionen
  • Regenerative Prozesse im Gewebe

Diese Entwicklungen erweitern das Einsatzspektrum des CAM-Modells über die Tumorforschung hinaus und schaffen neue Perspektiven für die regenerative Medizin und die biomedizinische Materialforschung.

CAM Lab - TheWaterMeloonProjec/adobestock.com

Effizient, reproduzierbar und vielseitig

Das CAM-Modell bietet eine schnelle, kosteneffiziente und reproduzierbare experimentelle Plattform. Bereits wenige Tage nach der Implantation können transplantierte Zellen vaskularisierte Gewebestrukturen ausbilden, die für unterschiedlichste Untersuchungen genutzt werden können.

In Kombination mit histologischen, immunhistochemischen und bildgebenden Analyseverfahren unterstützt die CAM-Plattform Forschungsprojekte in den Bereichen Onkologie, Wirkstoffentwicklung, regenerative Medizin und translationale biomedizinische Forschung. Durch die Zusammenarbeit mit klinischen und wissenschaftlichen Partnern trägt das CAM Lab zur Entwicklung innovativer diagnostischer und therapeutischer Ansätze bei.

Einblicke ins Labor